Gutschein-Kunstwerke

Irgendwo auf Social Media habe ich vor Zeiten einen Sketch gesehen, in dem es irgendwie darum ging, dass Eltern all die Gutscheine einlösen, die sie jemals von ihren Kindern bekommen haben: fürs Abwaschen, Rasen mähen, Frühstück machen und so weiter.
Wäre meine Oma jemals auf diese Idee gekommen, hätte ich wahrscheinlich besser eine eigene Eisdiele aufgemacht.

Gutscheine zum Eisessen waren nämlich das Geschenk, das ich meiner Oma am häufigsten geschenkt habe. Angefangen hat es mit einfachen selbstgemalten Gutscheinen. Über die Jahre wurden die immer ausgeklügelter: Da entstanden ganze Eiskarten, manche sogar laminiert und später am Computer gebastelt. Es entwickelten sich neue Namen für Eisdielen, mit Logo und passendem Design und allem.

Eingelöst hat Oma die Gutscheine eigentlich nie. Wir waren schon häufig Eis essen, aber meist doch auf ihre Rechnung. Sie hat aber all diese Gutscheine aufbewahrt, wie auch sonst unsere Kinderzeichnungen und Basteleien. Das war ein überraschendes und ganz schönes Wiedersehen, als wir ihr damals beim Umzug in ihre kleinere Wohnung halfen. Falls also jemand vorhat, eine Eisdiele zu eröffnen – ich hätte da noch ein paar Entwürfe.

Was wir eingelöst haben, war ein anderer Gutschein, und da bin ich sehr glücklich drüber. Meine Oma wollte immer noch mal nach Berlin und Zeit haben, sich alles Mögliche anzusehen. Das haben wir zum Glück gemacht, als sie noch ziemlich fit war. An Museumstagen hat sie uns glatt in die Tasche gesteckt: Während sie danach noch ganz begeistert von ihren Eindrücken und Erinnerungen erzählte, wären wir beinahe mit dem Kopf in den Spaghetti gelandet, so erledigt waren wir.

Der Gutschein dafür war eine Berlin-Collage auf Leinwand. Die hängt heute noch bei uns im Wohnzimmer und erinnert uns an eine echt tolle Urlaubswoche. Und Eis gab’s da selbstverständlich auch zwischendurch.

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