Interview mit dem Februar

Pfeffergeist (PG): Lieber Februar, schön, dass wir Gelegenheit für einen kurzen Plausch haben. Wie geht´s Dir? Vor allem wo so viele Menschen da draußen eigentlich hoffen, dass Du möglichst schnell vorbei bist, damit endlich Frühling ist.

Februar (F): Was ist das denn für eine Eröffnung?! Das ist ja eine Unverschämtheit! Viele lieben mich und fiebern mir geradezu entgegen und zwar seit November!

PG: Ach ja, die Karnevalisten, die Jecken.

F: Na, na, mal nicht so abschätzig bitte. Karneval ist toll. So viele lieben das. Das Feiern, die Reden, das Tanzen! Denk an die Funkemariesche und den traurigen Trompeter! Und an den Beckumer Kneipenkarneval.

PG: Ich denk eher: Gut, dass damals noch nicht so viel fotografiert wurde, als ich als Funkemariesche verkleidet war. Aber ja, Du hast ja recht. Es gibt Menschen, die mögen Karneval. Und ein paar Dinge daran hab ich auch schon gemocht. Zufrieden?

F: Na ja. Nun gut. Mehr ist aus so´m Bielefelder Gewächs wohl nicht rauszuholen an Karnevalistik.

PG: Richtig.

F: Gut, gut. Eigentlich hattest Du gefragt, wie´s mir geht. Und da muss ich sagen: So la la. Das Wetter: Ja ok, ist halt noch früh im Jahr. Die Weltlage: Lass uns nicht davon anfangen. Persönlich: Och, wie´s so einem Monat so geht. Erst denkt man, man hätte alle Zeit der Welt und dann ist man plötzlich schon wieder rum. Schau Dir den Januar an, ist nicht mal ganz fertig geworden mit seinem ganzen Schnee. Da mach ich nun also weiter. Dabei hab ich doch bloß so wenig Tage.

PG: 28 Tage. Genau. Und da sind wir beim Thema. Ich habe eine Frage – bzw. ich habe keine Frage. Ich wollte Dich fragen: Hast Du eine Frage?

F: Eine Frage?

PG: Ja genau.

F: Hab ich ne Frage?

PG: Ja, vielleicht.

F: Hilf mir kurz auf die Sprünge.

PG: Also, so´ne Frage, die Dich beschäftigt und umtreibt, die Du noch nicht beantworten kannst.

F: Ah so, ja, sicher, dann ist das klar. Die Frage ist: Was wächst wohl hier?

PG: Wie?

F: Na, da sind lauter kleine grüne Spitzen, die aus der Erde gucken. Keine Ahnung, was daraus wird. Wir lassen mal wachsen.

PG: Wir lassen mal wachsen? Gibt es denn nichts zu tun, um das zu beantworten? Ne App zur Pflanzenbestimmung oder so? Und ist das da nicht einfach Gras, das da gar nicht hingehört?

F: Nein, nein. Wir lassen wachsen. Hör auf, da rumzuzupfen, Du ziehst mir noch die Zwiebeln aus der Erde!

PG: Also sagst Du: Einfach nichts tun und abwarten?

F: Das sieht nur wie Nichtstun aus. Du hast ja keine Ahnung, was unter der Erde alles passiert, ganz ohne dass Du da aktiv eingreifst. Du musst nur aufmerksam und offen für die Frage bleiben: Was wächst wohl hier?

PG: Das fühlt sich aber nicht so gut an, oder? So untätig.

F: Das ist die Ungeduld. Eigentlich fühlt es sich schon ganz gut an. Nach Gelassenheit und Vertrauen. Du weißt doch, dass es nichts bringt am Gras zu ziehen. Das gilt erst recht für Krokusse und Tulpen.

6 Antworten auf „Interview mit dem Februar“

  1. Hahaha, als Bielefelderin kann ich sagen: Genau so würde das Gespräch ablaufen! Ach ja, damals, als wir uns noch verkleidet haben… Nee nee, keine Leidenschaft für all das. Aber zum Glück hat der Februar ja noch einige andere Sachen zu bieten. Schreiben, Erzählen, Geschichten… Und stimmt, diese Garten-Metapher hatten wir schon ein paar Mal, sie ist auch einfach sehr stimmig. Es ist so viel angelegt, es wächst und streckt sich und irgendwann können wir dann die Schönheit betrachten. Ja, Februar. Gut, dass du schon alles für uns vorbereitet hast!

  2. Wie schön, liebe Melanie, Dein Februar hat mit Dir gesprochen, meiner nicht. Ich habe wohl die falsche Frage gestellt, oder gibt es keine falschen Fragen?
    Schau mal mein Text (nicht veröffentlicht)

    Februar, wer bist Du?
    Keine Antwort! Hab ich mir gleich gedacht, warum sollte er mit mir sprechen? Ausgerechnet er, wenn gewissen Menschen nicht mal mit mir sprechen!
    Oder können sie nicht sprechen? Sind stumm, immer schon?
    Sprachlosigkeit! Keine Stimme zu haben, sich nicht zu hören, das muss schlimm sein.
    Oder haben sie einfach keine Antwort auf meine Fragen, keine Antwort auf mich, mein Verhalten?
    Diese Frage beschäftigt mich immer mal wieder. Warum sprechen die Menschen nicht mit mir, fragen mich nichts, wollen nichts von mir wissen?
    Immer muss ich eine Frage stellen und darauf hoffen, eine Antwort zu bekommen um ein Gespräch in Gang zu bringen.
    Also Februar, wer bist Du?
    Er hat keine Antwort, weil es keine gibt! ?

    1. Liebe Margaretha, da steigst Du aber gleich mit ´ner Knallerfrage ein. Da müsste ich auch erstmal länger überlegen. – Wer bist Du? Wer kann das schon mit Gewissheit sagen? Und so auf den Punkt. Fühlt sich für mich ein bisschen nach Pistole auf der Brust an, Dein Text.
      Vielleicht braucht Ihr erst ein bisschen Zeit und Aufwärmen bevor es ans Eingemachte geht?

      1. Da hast Du vollkommen recht, liebe Melanie, da ist mein Temperament wieder einmal mit mir durchgegangen.
        Ich liebe die Klarheit und dies am besten sofort. Na ja, meine Ecken und Kanten eben. Ich muss mich wirklich darin üben!
        Ob ich das noch schaffe? Mit Unterstützung vielleicht?

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