Kleine Tradition

Eine ganz eigene, kleine Weihnachtstradition haben meine Ma und ich entwickelt, als ich die ersten Schritte ins Arbeitsleben versuchte. Alles begann mit einem Vorstellungsgespräch in Garmisch-Partenkirchen irgendwann Ende der 90er-Jahre. Ich frage mich noch heute, wie ich auf die Idee kam, mich dort in einem ganz traditionellen Hotel zu bewerben. Aber nun. Als ich dort im Gespräch saß, wurde mir auch klar, dass das wohl nicht so richtig gut passt.

Aber wo wir schon mal da waren, haben wir die Umgebung erkundet und sind unter anderem in einem „Käthe Wohlfahrt“-Geschäft gelandet. Wart Ihr schon mal in so einem Laden? Über den Link hier bekommt man einen ganz guten Eindruck. Aber Vorsicht, schon das Eingangsfoto löst eine kleine Reizüberflutung aus. Die Realität damals stand dem in nichts nach.

Ich weiß nicht mal, ob das überhaupt zur Weihnachtszeit war oder ob es da einfach immer so aussieht. Wir hatten jedenfalls unseren Spaß und konnten nicht wieder gehen, ohne nicht ein kleines Souvenir mitzunehmen. So suchten wir uns gegenseitig den unglaublich buntesten und hässlichsten Weihnachtsbaumschmuck aus, den wir finden konnten.

Daraus hat sich die kleine Tradition entwickelt, dass wir uns gegenseitig Baumschmuck schenkten, wann immer wir Gelegenheit hatten, besonders kitschige oder einfach hässliche Stücke zu ergattern. Wobei wir irgendwann dazu übergegangen sind, uns nur noch Fotos davon mitzubringen, es hätte sonst doch Überhand genommen. Aber der letzte Urlaub im Erzgebirge war eine wahre Freude!

Dass wir inzwischen meist gar keinen Weihnachtsbaum mehr haben, tut dem Ganzen keinen Abbruch; die noch vorhandenen Schmuckstücke passen auch wunderbar zu unserem Ficus. Vor einigen Jahren kam auch noch von Freunden ein glitzernder Geißbock-Kopf vom FC Köln dazu – als hätten sie von unserer Tradition gewusst. Er fügt sich ganz hervorragend in die Sammlung ein.

5 Antworten auf „Kleine Tradition“

  1. Ein schöner Text. Kleine Traditionen wirken oft unscheinbar – und tragen doch erstaunlich viel. Sie geben Halt, Struktur und ein Gefühl von Kontinuität, gerade in Zeiten, in denen vieles im Außen unruhig ist. Beim Lesen wurde mir wieder bewusst, wie sehr solche wiederkehrenden Rituale unser inneres Erleben prägen, oft ganz leise und nachhaltig. Danke fürs Teilen dieser vorweihnachtlichen inneren Bewegungen.

  2. Ach du liebe Güte! Das ist ja die völlige Überforderung, dieses Geschäft. Aber jetzt habe ich Lust, da auch mal reinzugehen. Eine schöne Tradition übrigens! Meine Freundin Miri kommt fast jedes Jahr hier vorbei, um eine kleine Dose mit selbstgebackenen Plätzchen vorbeizubringen, das ist auch immer toll! Und man muss nichts lange lagern, weil sie nie lange da sind 😉

    Liebe Grüße und bis bald
    Anna

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