In der Grundschule führten wir zu Weihnachten ein Theaterstück auf: Das Tannenbäumchen Kümmerling. Es ging um einen kleinen Tannenbaum im Wald, der so gerne ein Weihnachtsbaum sein wollte. Da er aber so klein und kümmerlich war, wollte ihn niemand als Weihnachtsbaum haben. Der kleine Baum war untröstlich. Da beschlossen die Tiere im Wald, dem traurigen Bäumchen eine Freude zu machen und schmückten es zu Weihnachten so prächtig sie nur konnten.
Ob es mit an diesem Stück lag, dass mir die kleinen, unperfekten Bäumchen immer schon die liebsten waren? Klar, die Weihnachtsbäume bei Oma waren besonders schön, aber als Eifelgewächse waren sie weit entfernt von den perfekten Nordmanntannen. Auch unsere Weihnachtsbäume zu Hause waren immer etwas besonders. Vor allem als wir noch als Familie loszogen, um einen im freien Feld zu schlagen. Mit einem Taschentuchfitzel markierten wir die Bäumchen, die in Frage kamen, um dann einen davon auszuwählen – wenn wir sie denn wiederfanden. Meistens war der Auserkorene einer, der irgendwo eine Lücke in den Zweigen hatte oder eine etwas krumme Spitze.
Besonders war auch unser WG-Weihnachtsbaum, den mir meine liebe WG im ersten Jahr an der Uni ins Wohnheim mitbrachte. Es war das erste Weihnachten ohne die Familie in der Nähe. Ich war das Nesthäkchen in der WG und sie haben sich echt Mühe gegeben, dass es ein tolles Fest wurde.
Danach gab es ein paar Jahre, in denen ich Heiligabend einfach gearbeitet habe. Ich mochte diese besonderen Schichten: Heiligabend 14 – 22 Uhr und die Nachtschicht an Silvester. Heiligabend habe ich immer mit meiner Lieblingskollegin gearbeitet. An Silvester waren wir ein ganzes Team. Verrückt, was da immer los war! Was nie fehlen durfte, war der kleine Weihnachtsbaum, der auf unserem Bistrotisch stand. Und natürlich gab’s nach der Schicht auch noch Bescherung.
Auch in meiner ersten eigenen Wohnung hatte ich anfangs immer einen Weihnachtsbaum: Ein kleiner Baum im Topf, mit der Idee, ihn danach in den Garten auszuwildern. Nachdem aber auch dritte mehr schlecht als recht im Garten Fuß fasste, habe ich das mit den Bäumchen aufgegeben. Das ist bis heute so. – Einen geschlagenen zu nehmen, bringe ich irgendwie nicht mehr übers Herz und die im Topf … ja nun. Dafür freue ich mich aber um so mehr über die großen Bäume auf dem Weihnachtsmarkt oder die schön geschmückten in Restaurants oder bei Freunden. Und irgendwas besonderes findet man auch da an fast jedem Baum.
