Der erste Impuls aus dem Schreib-Advent des Schreibzirkels Frankfurt: Schreibe über einen Plätzchen-Moment.
„Setz dich, nimm dir ´nen Keks“ ist meine erste Assoziation zum Thema. Wo immer es herkommt, in meinem Freundeskreis ist es ein geflügeltes Wort, selbst wenn keine Kekse da sind. Es sagt so viel wie: „Komm dazu, nimm dir Zeit. Gesell dich zu uns, du bist willkommen.“ Kekse schaffen Verbundenheit und zeigen Fürsorge, wenn auch etwas ruppig manchmal.
Wie in dieser „Harry Potter“-Szene aus dem Orden des Phönix, wo McGonagall Harry einen Keks aufnötigt, den er zuerst ablehnt, dann aber doch annimmt. So wie die Anweisung, die damit verbunden ist (dem Sinn nach): „Uns schmeckt das allen nicht, aber bitte halte Dich zurück, es führt zu nichts Gutem.“
Oder wenn man sagt: „Du gehst mir auf den Keks.“ Das ist ja irgendwie gleichzeitig ruppig und ein bisschen lieb, könnte man ja auch viel gemeiner sagen. Da kommt das Heimelige des Kekses durch, was immer sonst mit dem Keks gemeint ist, auf den man jemandem geht. (Falls da jemand aufklären kann, gerne!)
Mit dem Heimeligen des Kekses bin ich dann auch gedanklich bei Weihnachtskeksen und Plätzchen-Momenten, nach denen André in seinem Schreibimpuls fragt. Ich hab an die Kekse unserer Familie gedacht und wie sie sich unterscheiden. Also, die weißen Kekse, die einzig Wahren. Mit Kokosmakronen, Vanillekipferl oder Schwarzweiß-Gebäck bin ich nicht so zu locken.
Omas Kekse waren immer etwas dünner und sehr sparsam mit Zuckerguss bestrichen, dafür sehr fein mit Nüssen und buntem Zucker verziert. Muttis Kekse dagegen sind deutlich dicker und mit noch mal so viel Zuckerguss oben drauf. Und diesen Zuckerguss gibt´s in unterschiedlichsten Variationen: in Rot, gefärbt mit Kirsch- oder Johannisbeersaft, in Braun mit Kakao und mein Favorit: der klassisch weiße Zuckerguss.
Und meine eigenen? Natürlich backe ich nach dem überlieferten Familienrezept, allerdings meistens ohne Verzierung. Einerseits weil sie oft schneller gegessen als verziert sind. Andererseits aus purer Erschöpfung. Vielleicht auch Konditionierung, denn sobald der letzte Teig ausgerollt, die letzten Plätzchen ausgestochen und im Ofen sind, erschlägt mich die Müdigkeit. Die Temperatur in der Küche tut ihr übriges und so bin ich als Kind regelmäßig auf der Eckbank eingeschlafen.
Deshalb habe ich inzwischen eine mehrteilige Keksstrategie: Ich backe nur ein klein bisschen selbst, weil’s dazu gehört und ich gerne Kekse aussteche. Am ersten Advent geht´s auf den Weihnachtsmarkt in der alten Heimat, wo wie früher Schulen, Kirchengemeinden und Vereine allerlei Schätze anbieten. Dazu noch Zimtsterne und Dominosteine von der Konditorei des Vertrauens, das ein oder andere Plätzchengeschenk von Freunden und Familie und Weihnachten ist gesichert.

