Aus irgendeinem Grund haben To-dos bei mir die Angewohnheit, sich übers Jahr zu vermehren. Das eine zieht das andere nach sich und bringt mich auf neue Ideen. Dazu kommt meine Listen-und Planungsfreude und so Phasen im Jahr, wo mich der organisatorische Ehrgeiz packt und ich versuche, alle erdenklichen To-dos zu listen, mit dem irrigen Gedanken, sie dann nach und nach abzuarbeiten – als ob nicht immer wieder Neues dazukäme.
Das muss ich mir vielleicht noch mal groß hier hinschreiben:
To-do-Listen sind nicht dafür da, irgendwann leer zu sein.
Den Moment, wo alles erledigt ist, gibt es nicht. Außer ich bestimme ihn selbst.
Es gibt dieses Buch „4000 Weeks. Time Management for Mortals“ von Oliver Burkeman, das ich sehr mag. Er sagt darin so etwas wie: Versuche bitte gar nicht erst, alles zu schaffen. Du kannst so viel mit Eisenhower, Pareto und Co. managen, wie du willst, du wirst nie fertig. Das geht gar nicht. Zumindest nicht, so lange du lebst. Ähnliches sagt Alfried Längle: „Es gibt viel mehr Nicht-Können als Können im Leben.“ Ich war ziemlich empört, als ich das zum ersten Mal in der Weiterbildung hörte. Man muss sich doch einfach nur genug anstrengen und es wirklich wollen, dann kann man auch! – Oder nicht?
Ich komme also mehr und mehr dahinter, dass nicht alles geht. Dass ich auswählen muss (kann/darf), wofür ich meine Zeit einsetze und dass ich mich nicht von meiner To-do-Liste stressen lassen sollte. Deshalb gibt es bei mir neben der To-do-Liste eine Not-to-do-Liste (mein Lieblings-not-to-Do gerade: Keine Schlaf- und Unterzieh-Shirts bügeln!) und eine jährliche To-do-Inspektion.
Normalerweise habe ich die fest gekoppelt mit dem Winter-Räderwechsel. Während das Auto Winterreifen bekommt, stelle ich meine To-do-Liste auf den Prüfstand.
Die Hauptfragen:
- Muss ich das wirklich noch vor Weihnachten machen?
- Muss das überhaupt sein?
Ich streiche also fleißig To-dos von meiner ambitionierten Liste mit dem Ziel, nur die Dinge übrig zu lassen, die unbedingt sein müssen und die mir wirklich wichtig sind. Ich schaue, ab wann ich keine neuen Projekte mehr annehme (bzw. ab wann wieder), lege fest, wann die letzten Termine sein sollen und in welcher Zeit ich den Rechner wirklich aus lassen will. Das entspannt die Advents- und Weihnachtszeit. Normalerweise …
Mitte November habe ich mit Schrecken festgestellt, dass noch ganz schön viel auf meiner Liste steht und die Termine immer näher an Weihnachten heranrücken. Irgendwann kam ich drauf: Bei der letzten Inspektion hab ich mich für Allwetterreifen entschieden und das zweimal-jährliche Räderwechsel-to-Do von der Liste gestrichen.
Nun werde ich am Wochenende also erstmal einen Termin mit mir selbst einstellen, um das nachzuholen. Am besten denke ich mir auch gleich eine neue Routine dazu aus, damit ich nächstes Jahr schon im Oktober daran denke. Eins steht schon fest: Es wird ein gemütlicherer Ort als ein Autohaus und der Kaffee schmeckt wohl auch besser.
Ich wünsche Euch einen schönen ersten Advent und eine entspannte Adventszeit!
Für die, die beim Buch „4000 Wochen“ hellhörig geworden sind oder mehr über Alfried Längle und seine Existenzanalyse wissen wollen:
Burkeman, Oliver: Four Thousand Weeks. Time Management for Mortals.
oder auf Deutsch: 4000 Wochen. Das Leben ist zu kurz für Zeitmanagement
Alfried, Längle: Lehrbuch zur Existenzanalyse
Die Links führen zum Onlineshop des local book.shops aus Düsseldorf. Eine tolle, inhaberinnengeführte Buchhandlung in Düsseldorf, die immer einen Besuch wert ist – egal ob vor Ort oder online. Es besteht keine Werbepartnerschaft oder ähnliches. Ich mag sie einfach sehr. Und natürlich könnt Ihr die Bücher auch überall sonst bestellen.
