Vorbilder

Es gibt ja diese Idee, man werde den Menschen ähnlicher, mit denen man viel Zeit verbringt. Manche Ratgeber sagen, man sei wie die fünf Menschen, die einem am nächsten stehen. Ob das so stimmt? Oft sind Vorbilder doch Menschen, die man gar nicht richtig kennt, die schon gestorben sind oder vor langer Zeit eine wichtige Rolle gespielt haben.

Außerdem ist ja gar nicht gesagt, dass es unbedingt Menschen sein müssen, die man sich zum Vorbild nimmt. Für mich sind Katzen ganz wunderbare Vorbilder: Folge deinem eigenen Kopf und such dir ein sonniges Plätzchen! Ob mein Eulen-Dasein damit auch zu tun hat? Nachtaktivität und 12 – 16 Stunden Schlaf am Tag klingen jedenfalls ganz nach mir. In einer Weiterbildung von Stephen Gilligan legte er uns seinen Hund als Vorbild nahe: Immer im Hier und Jetzt und mit Freude dabei, egal ob beim Essen, Laufen, Spielen, mit Freunden oder am Meer.

Roman- oder Filmfiguren können genauso gute Vorbilder sein. Als Kind habe ich Momo geliebt. Okay, nicht nur als Kind. Denn: So zuhören und spielen zu können wie Momo, das wäre jawohl was! Und wie Beppo die Straße zu kehren, Streich für Streich, Nuss für Nuss. Später kamen noch solche wie Rory Gilmore und Hermine dazu – dieses Lesen, Lernen, Schreiben. Da bieten sich auch verschiedene Schriftsteller*innen an.

Aber natürlich habe ich auch im echten Leben Vorbilder, vor allem für bestimmte Lebensbereiche. Sabine, die mir in Sachen Selbstständigkeit einen ganz eigenen Stil zeigte. Klaus, der mir mit seinem Aktienkurs die Börsenwelt näher gebracht hat. Die beiden, die mich auch mit Reise- und Abenteuerlust ansteckten. Rainer mit seiner Sportbegeisterung und diesem gesunden Essen. Gordon, von dem ich mir den Satz geborgt hab: „Lieber um Verzeihung bitten als um Erlaubnis.“

Zuletzt fand ich mich selbst als Vorbild wieder – beim Stöbern in alten Tagebüchern. Da gab’s Zeiten, da hab ich so begeistert und stringent an Zielen gearbeitet und gelernt … könnte ich eigentlich mal reaktivieren. Vielleicht nicht in dem Ausmaß, das war ein bisschen viel des Guten. Aber es war schon cool, die 10-Jahres-Ziele von damals zu finden und festzustellen, dass ich die meisten davon erreicht habe. Und dass ich die, die noch offen sind, immer noch ganz lohnenswert finde …

6 Antworten auf „Vorbilder“

  1. Liebe Melanie,

    ich mag deinen weiten Blick auf das Thema. Dass Vorbilder auch Katzen, Romanfiguren oder sogar das eigene frühere Ich sein können, finde ich einen schönen Gedanken. Besonders dein Blick in die alten Tagebücher hat mich berührt. Manchmal begegnet man dort tatsächlich einer Version von sich selbst, von der man sich heute wieder eine Scheibe abschneiden kann.

  2. Liebe Melanie,
    Sehr prägnant geschrieben. Toll.
    Besonders gefällt mir der Tipp von Gordon: „Lieber um Verzeihung bitten, als um Erlaubnis“.
    Und ja. auch bÜcher können Vorbilder sein. Das fällt mich erst jetzt auf. Danke.
    Viele Grüße Martina

    1. Liebe Martina, danke Dir!
      Dieses „Erstmal machen und dann ggf. um Verzeihung bitten, wenn nötig“ war echt ein Lernfeld für mich, hab mich damit bei ganz schön viel vorauseilendem Gehorsam erwischt.
      Ich teile ihn gern 🙂
      Liebe Grüße! Melanie

  3. Sehr schön! Die Idee, sich selbst ein Vorbild sein zu können, lässt mich nachdenken. Ich weiß, dass ich vor Jahren so viel geschafft hab, so diszipliniert vorgegangen bin – im Gegensatz zu heute. Das wäre tatsächlich ein Ziel, wieder so zu agieren wie damals.
    Danke für den Denkanstoß!

    Sabine aus dem Mausloch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert