Weihnachtsbegleiter

Schwarzer Zylinder, roter Schal, ein dicker Bauch – bei uns war es kein Weihnachtsmann oder Nikolaus, der die Weihnachtszeit einläutete. Ein kleiner Schneemann war mein Begleiter im Advent. Wann er bei uns eingezogen ist, weiß ich nicht mehr, irgendwann war er da und seitdem nicht mehr wegzudenken. Wenn ich das Teelicht anzünden durfte, das ihn von innen leuchten ließ, war bald Weihnachten.

Der Schneemann begleitete mich in die Grundschule, wenn wir in der Adventszeit Gestecke mitbringen durften. An den Wochenenden zog er mit uns von der Küche ins Wohnzimmer und zurück und verbreitete sein warmes Licht, wo immer wir zusammensaßen.

Als ich ausgezogen war, habe ich ihn ein paar Jahre aus den Augen verloren – zu Weihnachten trafen wir uns meist bei Oma. Dort gab es ganz eigene Weihnachtsboten. Zwei kleine bronzene Engel, die die kleinsten Kerzen der Welt trugen. Die waren so dünn, dass sie jeden Abend ausgetauscht werden mussten (also die Kerzen, nicht die Engel). Da gab es silbrig-goldene Weihnachtskugeln, die meine Oma schon von ihrer Mutter bekommen hatte. Und natürlich die Weihnachtsglocke, die die Bescherung einläutete.

Den Schneemann sehe ich inzwischen wieder ganz regelmäßig. Wenn ich Mutti in der Weihnachtszeit besuche, leuchtet er zum Tee und über unsere Spielfelder. Er zieht mit uns auch wieder von der Küche ins Wohnzimmer und zurück. Sein Teelicht anzuzünden, ist immer noch ein schöner Moment. Genauso wie der, wenn wir bei uns die Weihnachtskiste mit all den Schätzen rausholen, wenn Engel, Kugeln und Sterne ihre Plätze für die Weihnachtszeit einnehmen und uns die gute Stube wärmen.

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